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Von der Unmöglichkeit ein mündiger Bürger zu sein - ein offener Brief an Franz Müntefering (SPD) und Henning Scherf (SPD)

Lieber Herr Müntefering, lieber Herr Scherf,

dies ist ein offener Brief an Sie beide, da Sie mich als als jungen Bürger dieses Landes in den letzten 24 Stunden sehr bewegt haben - und das auf unterschiedlichste Weise. Den Brief veröffentliche ich daher auf mehreren Weblogs und in einem Magazin und hoffe auf einen konstruktiven Dialog.

Der letztliche Auslöser für den Brief war Ihre Aussage, lieber Herr Müntefering, dass

die Wurstigkeit, mit der in Deutschland mit Demokratie umgegangen wird, uns Sorgen machen muss.

Und ja, da stimme ich Ihnen zu Herr Müntefering. Gleichzeitig möchte ich aber auch tiefer nachhaken, ohne Ihre Absichten, ein guter Politiker zu sein, in Frage zu stellen:

Herr Scherf hat versucht in der ZDF Sendung “Ich kann Kanzler” junge Menschen für Politik und Teilhabe zu begeistern. Herr Scherf tritt ein für mehr Teilhabe und Engagement und war schon in seiner politschen Zeit sehr nah am Bürger.

Gleichzeitig wird aber im Bund und teils auch auf der Landesebene über die Bürgerinnen und Bürger “hinweg regiert” nach einer gewonnen Wahl, ebenso, wie auch Partei intern Machtstrukturen aufgebaut werden, an denen nicht gerüttelt werden soll.

Ist das Demokratie?

Wo ist die konkrete Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger?

Sie wundern sich, lieber Herr Müntefering, über die Politikverdrossenheit bei der Wahl. Ich wundere mich über die Verdrossenheit der Politik vor und nach der Wahl gegenüber dem Volk.

In der Sendung “Ich kann Kanzler” hatten Herr Jauch und Frau Engelke mehrmals diese alte Vorstellung von Politik in Frage gestellt, welche eben auch mit zu besagter Politikverdrossenheit geführt haben.

Nun kommt eine neue Generation auf, die nicht mehr über sich “hinweg regieren” lässt. Im Geiste von Obama stellt sie z.B. mal eben eine Onlinepetition mit über 130.000 Unterstützerinnen auf. Oder schauen Sie die Tage auf die Strasse, wo zig tausende Schüler und Studenten demonstrieren.

Ist dies Politikverdrossenheit?

Sicher nicht. Dies sind Ihre zukünftigen Wählerinnen und Wähler, die sich aufmachen Politik direkt zu gestalten, statt nur als Zuschauer alle 4 Jahre ein Kreuz zu machen. Diese Menschen wollen teilhaben an den gesellschafts-politischen Fragen und sich einbringen mit guten Ideen.

Aber lassen Sie sie teilhaben?

Und wenn ja, wo?

Ich wünsche mir in ganz Deutschland Bürgerdialoge zur Zukunft unserer Gesellschaft und der Welt. Wo sind diese Bürgerdialoge, wo alle interessierten Menschen zusammenkommen können, um zusammen mit der Bundesregierung die besten Ideen auszutauschen?

Und warum wissen z.B. nicht alle Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, dass es die Möglichkeit gibt an E-Petitionen teilzunehmen?

Anscheinend haben Sie sie nicht informiert.

Warum wird nicht jedem Wahlberechtigten ein Brief zugestellt mit entsprechenden Informationen und Logindaten?

Ich werde so lange an diesen Fragen festhalten, bis alle jungen wie älteren Menschen in Deutschland Kenntnis von diesen neuen Möglichkeiten haben.

Demokratie, das sind wir alle und nicht nur zur Wahl mit einem Kreuz!

Mit freundlichen Grüßen und in der Hoffnung auf einen Dialog,
Ihr Ingmar Redel

Twitter: http://twitter.com/yeswechange
Blog: http://www.bloggerpatenschaften.de
Email: ir(at)oneaim(dot)org

Anmerkungen:
(1) Ich bin parteipolitisch neutral, habe jedoch in der SPD, CDU, den Grünen, Linken, den Piraten und bei den freien Wählern einige engagierte junge wie ältere Freunde.

(2) Meine kurze Bio, weil ich Sie, Sie mich aber noch nicht kennen:

“Ingmar Redel (29) hat nach dem Besuch der Schule kreative Unternehmensideen umgesetzt. Da diese ihn nicht ausfüllten, beschäftigte er sich mit 19 Jahren mit den globalen sozialen und ökologischen Herausforderungen und schrieb mit 20 Jahren ein internationales Friedensprojekt für die Vereinten Nationen, welches von den Botschaftern vieler Staaten willkommen geheißen wurde. Das Projekt konnte durch den 11. September jedoch nie umgesetzt werden.

Ingmar war in Folge Mitglied in über 14 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen unterstützte diese in Vollzeit mit seinem Know-how, Zeit und Geld.

Im lokalen wie globalen Dialog, möchte er die Stimmen der einzelnen Menschen in gesellschafts-politischen Fragen stärken und so helfen, mehr Transparenz und Teilhabe zu erzeugen sowie innovativen Lösungen den Weg zu ebnen, für die Bewältigung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen unserer Zeit.”

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Kommentare:

Von der Unmöglichkeit ein mündiger Bürger zu sein – ein offener Brief an Franz Müntefering (SPD) und Henning Scherf (SPD)…

Lieber Herr Müntefering, lieber Herr Scherf,
dies ist ein offener Brief an Sie beide, da Sie mich als als jungen Bürger dieses Landes in den letzten 24 Stunden sehr bewegt haben – und das auf unterschiedlichste Weise. Den Brief veröffentliche …

Das Problem bei Zensur und Öffentlichkeit ist, daß Leute immer nur gegen bestimmte Zensurarten sind, aber nie gegen Zensur insgesamt. Die einen sind gegen Zensur bei Sexualität, andere gegen Zensur bei Killerspielen und Videos, noch anderen gegen die pingeligen “Ab-18″-Einschränkungen welche eine Jugenddiskriminierung darstellen, noch andere gegen das Urheberrecht-Gehabe der Wirtschafts-Nimmersatts, noch andere gegen die in Mode gekommene Kaputtklagerei aufgrund vorgeschobener nicht getätigter Äußerungsdelikte, noch andern gegen die Verbote von Waffenbesitz und von Farbklecks-Schuß-Spielen usw. was ja auch Zensur ist.

Die einen sind gegen Zensur bei einer dieser Zensurarten, aber fast nie gegen die anderen Zensurarten. Die Leute sollten aber endlich mal gegen Zensur ALLER ART sein, also mal in Zusammenhängen denken, und somit an einem Strick ziehen!

Was man braucht, ist eine bundesweite, und möglichst auch eurpaweite Initiative, Vereinigung, gegen Zensur und Bevormundungen ALLER ART!

Plötzliches aber auch schleichendes Zensurgebaren der Nationen, und das schlucken, ja befürworten der Zensur durch die Masse, fällt soziologisch unter Strukturelle Gewalt, worüber viel zu finden ist in den Veröffentlichungen der Frankfurter Schule (Adorno, Horkheimer, Marcuse, u.a.). Darauf sollte man wieder zurückkommen!

Vor Jahren wurde von einigen bereits gefordert, DAS VOLLJÄHRIGKEITSALTER herunterzusetzen, auf 16, auf 14 sogar.
DAS wäre vernünftig!
Aber heute geht die Politik den umgekehrten Weg, bezeichnet Jugendliche als Kinder! Welcher Jugendliche würde sich das gefallen lassen wenn er gesagt bekommt er sei ein Kind??
In den USA darf man ab 16 auch den Führerschein machen, in Texas soweit ich weis ab 14. WARUM AUCH NICHT?
Wer etwas für junge Menschen tun will, der muß sie auch ernst nehmen, dazu gehört, sie als Erwachsene wahrzunehmen und sie erwachsenhaft zu behandeln!

Eine fortschrittliche Gesellschaft darf Zensur und Bevormundung gar nicht kennen, darf soetwas höchstens aus alten Filmen und aus Geschichtbüchern kennen!
Wann ist das - wenigstens in den westlichen Ländern - so weit, dürfen wir das noch erleben?

Gegen Zensur findet man dort eine solche Zusammenfassung, vor allem mit Ursachenerläuterungen:

http://zensur.beepworld.de/

[...] Henning Scherf, hat Ingmar Redel bei Blogpatenschaften veröffentlicht - lesens- und verbreitenswert. Ingmar schließt den Brief mit: Mit freundlichen [...]

Sehr, sehr guter Text Ingmar! E-Petitionen sind schon eine feine Sache, wer die erfolgreichen Versuche wie beim Grundeinkommen und Zensursula jedoch gekonnt wegignoriert, der kann sich ebenfalls keine hohe Motivation bei den Bürgern erwarten. Dafür bomben sie uns mit viel Werbung zum Thema Ethik an Schulen zu, das offenbar (und zurecht) nur wenig Menschen interessiert. Es geht uns nicht um Demagogen, die die Dinge platt und einfach erklären. Im Gegenteil: Mehr Vertrauen dem Bürger gegenüber auch komplexe politische Themen per Mehrheitsintelligenz lösen zu können!

[...] Von der Unmöglichkeit ein mündiger Bürger zu sein - ein offener Brief an Franz Müntefering (SPD) Gepostet von: Ina   ( Alle Beiträge )Veröffentlicht: 22. Juni 2009 - 7:29Quelle: http://www.bloggerpatenschaften.de [...]

Das ist sicher ein guter Beitrag! Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass kein Politiker auf dringliche Probleme der Bürger antwortet.Aus diesem Grund muss man seine Energie darauf konzentrieren, aktiv zu werden und in Gemeinschaft intelligenter Bürger tätig zu werden. Ich habe mich dem Bund mündiger Bürger angeschlossen.Bürger, die sich den Lügen und dem Missbrauch der heutigen Politik nicht mehr tatenlos unterwerfen.Ich kann nur jedem raten, ebenfalls diesen oder einen solchen Weg einzuschlagen. Nur in der Gemeinschaft sind wir stark.

Eva Christ

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