Erfahrungsbericht: Wie es dazu kam mich als Legastheniker schriftlich zu Outen
Lars Michael Lehmann betreibt seit einigen Jahren erfolgreich das Blog “Legasthenie ist keine Schande” und twittert unter @legastheniker. Ich freue mich über seinen Erfahrungsbericht, indem er anderen Mut macht, auch mit “speziellen Themen” an die Öffentlichkeit zu gehen:
Eigentlich war es ein sehr langer Weg mich so schriftlich zu Outen, da die Legasthenie zum einen kaum bekannt war, und zum anderen kannte ich ja den Spott und Hohn als lagasthener Mensch. Das eben auf allen Ebenen in meinen Leben. Ob im Bildungssystem, im Berufsleben oder auch manchmal im allgemeinen Leben. Denn unser andere Lebensform ist rundum anders, da wir mit unseren Sinnen unsere Welt anders Wahrnehmen, eben auch Buchstaben, Symbole, Sprache. Ich wusste immer, das legasthenes Leben, etwas anderes ist als das „Normale“ Leben, durch mein Bloggen eröffneten sich neue Welten, lernte viele neue Dinge verstehen, bekam die Möglichkeit das Thema allumfassend zu beleuchten, das auch noch schriftlich. Zuvor habe ich nie etwas mit dem Schreiben, so recht etwas zu tun haben wollen.
Ich weiß es noch genau, es war ende Mai 2007 das las ich den Artikel im Wirtschaftsmagazin Brand ein: „Achtung! Sie betreten den Kreativen Sektor“ Das war für mich der Schlüssel, das ich zu Bloggen begann, denn da verstand ich das Prinzip der Legasthenie, auch wenn nichts darüber im Artikel stand, es war aber eine perfekte Umschreibung, was bei mir so immer los war. Denn es ging um die kreative Klasse, und eben um die Gestörten, um die latent gehemmten die Menschen bei denen alles wie eine Wasserperle abprallte, und stupide Arbeiten verzichten konnte. Selber für mich erkannte ich das ich eben zur Gruppe der „Gestörten“ gehörte, eben zu den kreativen Spinnern die kaum richtig Schreiben und Lesen können, eben die, die man von der latenten Masse her als Idioten, dumme und Spinner verunglimpft hat. Nun wurde mir alles klar, denn ich suchte und suchte nach einer Antwort wie ich die Legasthenie immer meinem Umfeld erklären konnte. Leider Wissen noch viele immer noch nicht, was mit der Legasthenie so an sich hat, nun sah ich aber meine unverständliches Leben, es gab Zeiten wo ich nicht Verstanden hatte, warum ich einfach anders war, als eben die anderen, warum ich nicht über die Witze lachen konnte, warum ich eben so einen Gerechtigkeitssinn und so ein vielschichtiges Wissen im mir hatte, was mit Schnelligkeit und ganzheitlich in Windeseile, assoziativ Gedanklich oder Kreativ umsetzten konnte. Für die Behörden und für die normale Gesellschaft war ich nicht ganz richtig im Kopf. Nein, für die ja. Selber wusste im inneren das ich doch normal bin, aber bei läuft eben etwas anders ab. Warum das so wusste ich nicht, seit dieser Zeit wusste ich das ich doch anders und total normal bin.
Dies neue Erkenntnis musste ich der digitale Welt da draußen erzählen, erst etwas zaghaft. Dann bekam ich aber immer mehr Besucher, diese fanden es mutig zu Outen, und ich wusste ich tat hier etwas was meine Berufung ist. Ja, zu schreiben! Das als Legastheniker, und Lesen. Das war ein Befreiungsschlag, und die Besucherzahlen wuchsen und wuchsen, bekam die Möglichkeit ein Studium zum diplomierten Legasthenietrainer zu beginnen, was eigentlich Experten machen, man bemerkte aber mein vielschichtiges Wissen, das ich mich vielschichtig mit der Materie auskannte, dann trat ich in den: „Deutschen Verband der Pressejournalisten e.V. und Deutschen Dachverband Legasthenie e.V. ein.“, heute Stelle ich auch Legasthenie oder LRS Diagnosen, Trainieren Legastheniker aller Altersklassen, und Coache Sie mit meinen umfangreichen Fachwissen als Betroffener Legasthenieexperte. Bis heute habe vielschichtige Kontakte bekommen, auch zu erfolgreichen Legastheniker, und lernte viele Betroffene kennen, aus alles Schichten und Altersgruppen von 6-84 Jahren. Alle sind Menschen haben interessante Geschichten hinter sich, manche war zum heulen wegen der Ungerechtigkeit, einige zum Schmunzeln, manche zum Stauen. Der allergrößte Teil aber, leider Traurig, wie noch heute eben die Menschen, wie es mir selber ging aufgrund einer anderen Veranlagung an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden.
Ich könnte fast nur ein Buch über das Bloggen schreiben.. Selber kann ich es nur Raten, besonders mit speziellen Themen an die Öffentlichkeit zu gehen. Eben mit einem Weblog kann man diese Gegenöffentlichkeit sehr gut gestalten. Ich würde mich über eine Blogkultur in Deutschland freuen. Denn es ist auch eine Chance für unsere wissensgesellschaftliche Entwicklung.
Euer Lars Michael Lehmann
Legasthenieexperte und Fachjournalist
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@Karin
Vielen Dank, für dein Feedback, ja über Weblogs gibt es gute Möglichkeiten eben einen Gegenöffentlichkeit zu fördern, die eben mit nur mit den Massenmedien konform sind.
Umso klarer und natürlicher wir auftretten um so mehr Vertrauen werden wir mit unser “Botschaft” bekommen.
Beste Grüße und weiterhin viel Spaß beim Bloggen!
Lars M. Lehmann
[...] noch Aktive für Pflanzaktion in Niedersachsen Lars Michael Lehmann mit seinem Erfahrungsbericht: Wie es dazu kam, mich als Legastheniker schriftlich zu outen. Alle Beiträge von Alexander Klement zum Projekt Bildungsspender Marc Boos zum Caritas-Blog: [...]





Ein mutiger Beitrag, offen und ehrlich, der allen Respekt verdient und unseren Blickwinkel für andere Sicht-&-Schreibweisen erweitert. Ich wünsche dem Autor Lars M. Lehmann sehr, dass er viele positive Erfahrungen mit Menschen und anderen BloggerInnen macht!
Ob mit einer Legasthenie oder (m)einer Sehschwäche, ob mit oder ohne Handycap - wir alle bloggen aus tiefer Freude an der Sache und für den Menschen. Und das zählt.
Grüße von Karin