Erfahrungsbericht: Web 2.0 für Senioren
Mit dem Internet arbeite ich als Anwender schon seit Anfang der 90er Jahre. Als ich mich 1999 auf meinen ersten Ruhestand vorbereitete dachte ich darüber nach, wie ich gleich Alten die Nutzung des Internets nahe bringen kann. Das Ergebnis waren Internetcafes „Von Senioren für Senioren“ in Unterfranken.
Im Herbst 2005, als der Begriff Web 2.0. mehrfach veröffentlich wurde, konnte ich mich noch nicht so richtig dafür begeistern. Damals betrieb ich mehrere statische Webseiten, die ich meist selbst in HTML geschrieben hatte. Aber bereits im April 2006 hatte ich den ersten Blog im Internet. Trackback und Kommentarmöglichkeiten hatte ich aktiviert. Schnell merkte ich aber, dass diese Möglichkeiten missbraucht wurden. Spam und Links von/zu obskuren Webseiten führten dazu, dass ich diese beiden Möglichkeiten deaktivieren musste. Damit war natürlich ein Vorteil des Mitmach-Web dahin.
Im April 2007 besuchte ich den Kongress „Ist das Internet reif für die Älteren“. Es gab da auch einen eigenen Workshop zum Thema Web 2.0. Eine eindeutige Aussage über den Nutzen kam leider nicht zustande. in Gesprächen, die ich geführt habe, kam immer wieder das Argument, dass der Anteil der Älteren unter den Internutzern einfach noch zu gering sei. So ist zwar von 2007 auf 2008 eine Steigerung bei den über 50jährigen von 35 auf 40 % zu verzeichnen. Diese Zahl ist aber nicht wirklich aussagekräftig, da bei den über 65jährigen der Anteil weit unter 20 % liegen dürfte.
Aus meiner Sicht ist es notwendig, dass der Anteil der Älteren im Internet wesentlich erhöht werden muss. Programme, wie z.B. 50plus-ans-Netz, an dem wir uns auch mit unserem Internetcafe „Von Senioren für Senioren“ in Würzburg beteiligen, sind hier sehr erfolgreich. Das beweisen die Besucherzahlen, wenn wir Aktionswochen haben.
Der nächste Schritt ist dann das Heranführen an Web 2.0 Angebote. Blogs auf eigenen Servern sind eher die Ausnahme, vielmehr werden Angebote genutzt, wie z.B. von WordPress gemacht. Leider bekomme ich immer wieder als Argumente zu hören, dass zu viele Fachausdrücke (dann sogar noch in Englisch) und die Angst vor der Aufgabe der Anonymität die intensive Benutzung von Blogs hindern.
Aber es gibt auch Ausnahmen. Seit 1999 beschäftige ich mich mit der Community „Seniorentreff“. Diese Gemeinschaft wurde 1998 gegründet, sie gehört mit zu den größten Senioren-Communities von Deutschland im Internet. Vor 2 Jahren wurde neue Software eingesetzt, die Blogs, eigene Homepage mit Gästebuch, Freundesliste, persönliche Nachrichten, Foren und Chat bietet. Mehr als 160 Blogs, die teilweise mehr als 1.500 mal pro Woche besucht werden, sowie ein Forum, bei dem zu einem Thema mehr als 11.000 Einträge vorhanden sind, beweisen, dass auch die Älteren sich mit dem Internet und Web 2.0 beschäftigen. Hier wird in den nächsten Jahren sicher ein Zuwachs zu erwarten sein, wenn die Jüngeren nachrücken. Aus den Ruhr-Nachrichten habe ich entnommen, dass Hans Frackowiak, 79 Jahre alt, mit seinen Castroper Geschichten wohl zu den ältesten Bloggern Deutschlands gehören dürfte.
Soviel gute Vorbilder haben mir auch wieder Mut gemacht, einen persönlichen Blog zu starten, mit aktivierter Kommentarmöglichkeit. Dort werde ich hauptsächlich über mein bürgerschaftliches Engagement und insbesondere das Online-Volunteering berichten.
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Meine Antworten zu den Fragen von Brigitte Reiser.
Frage: Welche Chancen sehen Sie für den Einsatz von Social Media in der Altenhilfe (vor allem stationär)?
Antwort: Ich kann mir im Augenblick nicht vorstellen, dass in der stationären Altenhilfe Social Media in naher Zukunft eine Rolle spielen werden. Die älteren Menschen, um die es möglicherweise geht, haben kaum Zugang zum Internet. Anders kann es aussehen, wenn die Einrichtungen gemeint sind, die sich mit stationärer Altenhilfe befassen, hier könnten Social Media helfen, Erfahrungsaustausch, Wissensvermittlung unbd Vernetzung zu fördern. Nach meiner persönlichen Einschätzung ist da aber noch viel an Überzeugungsarbeit zu leisten.
Frage: Wie könnten gemeinnützige Organisationen die Internetnutzung unter den Senioren fördern, über Internetkurse und -cafés hinaus?
Antwort: Dazu müssen die gemeinnützigen Einrichtungen sich erst selbst zu den Sozial Media bekennen und für ihre eigenen Belange nutzen. Aus meiner persönlichen Erfahrung eine ernüchternde Zahl. Auf eine Email, die auf eine unserer Seiten hinweist, auf der interessante Informationen rund um das bürgerschaftliche Engagement zu finden sind, besuchen weniger als 10 % der Empfänger (alles gemeinnützige Einrichtungen, Seniorenbüros, Freiwilligenbörsen) die Webseite. Ein sehr aussagefähiger Besucherzähler macht diese Erhebung möglich.
Wohlgemerkt, es handelt sich um eine herkömmliche Webseite, die noch nicht die Möglichkeit zum Mitmachen bietet.
Vor diesem Hintergrund muss ein Umdenken bei den gemeinnützigen Organisationen stattfinden, sonst werden nur die üblich Verdächtigen, wie KompetenzZentrum http://www.kompetenzz.de/ aktiv bleiben.
Liebe Brigitte Reiser,
ich verstehe nicht so ganz was denn Social Media in der stationären Altenhilfe beinhalten könnte? Mir fällt dazu rein gar nichts ein. Allerdings assoziiere ich mit Social Media irgendwas mit Internet-Communities. Wie passt das mit stationärer Pflege zusammen? Wenn ich mich an die Betreuung meiner pflegebedürftigen Eltern erinnere, wünschte ich mir für diese Zeit mehr einfühlsame und persönliche Betreuung. Wie könnten pflegebedürftige Alte von Social Media konkret profitieren?
@Liebe Frau F., sorry, dass ich Ihren Kommentar erst heute sehe….
Wie pflegebedürftige Alte von Social Media profitieren könnten? - Darauf gibt es noch keine fertige Antwort, sondern es geht darum, Ideen für Einsatzmöglichkeiten zu sammeln, - vor allem auch in Hinblick auf zukünftige Alterskohorten, für die das Internet ein fester Bestandteil ihres Lebens sein wird.
Derzeit kann ich mir einen Einsatz in der stationären Altenhilfe nutzerbezogen auch noch nicht recht vorstellen. Höchstens indirekt, indem man versucht, mittels einer Community die ehrenamtlichen Helfer eines Heimes zu vernetzen und mit den professionellen Helfern in einen Dialog zu bringen.
Ansonsten bin ich auf der Suche nach weiteren Einsatzmöglichkeiten und werde mal recherchieren, ob es in anderen Ländern hierzu Überlegungen gibt.
Aber im Vordergrund wird in der stationären Pflege immer der persönliche Kontakt stehen, den man durch das Internet nicht ersetzen kann. Vielleicht kann aber das Netz dabei helfen, die Heime und damit auch den einzelnen Bewohner noch besser an die Aussenwelt anzubinden.
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Vielen Dank für den Erfahrungsbericht. Ich habe noch zwei Fragen:
Welche Chancen sehen Sie für den Einsatz von Social Media in der Altenhilfe (vor allem stationär)?
Wie könnten gemeinnützige Organisationen die Internetnutzung unter den Senioren fördern, über Internetkurse und -cafés hinaus?