Blogpaten: In unseren Blogs veröffentlichen wir Gastbeiträge zu öko-sozialen Themen und verbreiten diese Inhalte über unser Netzwerk.
Der Vision Summit, der in diesem Jahr unter dem Motto “Social Business – just try it!” stand, fand diesmal vom 1.-2. November in Berlin statt. Da mich das Thema “Social Business” im Sinne eines “aufeinander Zugehens” von sozialem Engagement und Wirtschaft seit längerem schon interessierte, war ich gespannt auf die Menschen, die sich an diesen 2 Tagen genau damit beschäftigen wollten und freute mich ganz besonders, dass ich als Bloggerin eine Akkreditierung bekam. Vielen Dank!
Das Programm versprach einige Highlights. Für mich war der Höhepunkt auf jeden Fall die Rede des Friedensnobelpeisträgers Prof. Muhammad Yunus. Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf den lesenswerten Bericht von Sebastian Schwiecker (Helpedia) über seine Zeit als Praktikant bei der Grameen Bank in Bangladesch.
Yunus wurde wohl immer wieder gefragt, WARUM er sich denn ausgerechnet für SOZIALES Business engagiere. Seine Antwort darauf lautete in etwa so: Unser Leben hier auf der Erde umfasst eigentlich nur eine winzig kleine Zeitspanne. Diese Zeit kann man dazu nutzen, Geld anzuhäufen und wieder auszugeben. Irgendwann stirbt man dann und nichts von Substanz ist von einem übrig geblieben. So nach dem Motto: Ich war zwar kurz hier aber das war`s dann auch schon. Man kann aber auch seine “Unterschrift” auf diesem Planeten hinterlassen im Sinne von: Ich war hier und habe ganz konkret an der Lösung sozialer oder ökologischer Probleme mitgewirkt.
Mich freute und wunderte es zugleich, dass dieser Grundgedanke “Gewinnmaximierung allein macht nicht glücklich” von vielen Rednern so betont wurde. Wir leben anscheinend schon lange in einer Zeit, in welcher derjenige belächelt wird, dessen wirtschaftliches Handeln oder Nichthandeln eben nicht nur auf Gewinnmaximierung und Sponsoren ausgerichtet ist, sondern auch nach Sinn und Konsequenzen fragt.
Schön, wenn sich da jetzt wirklich ein Paradigmenwechsel abzeichnen könnte. Wie könnte der aussehen? Ist es denkbar, dass z.B. soziale Projekte eine ähnliche Wertschätzung bekämen, wie z.B. Spitzensportler oder Popstars und sich engagierte Unternehmen dieser Projekte annehmen und ihr Marketing-Budget in konkrete Unterstützung fließen lassen? Darüber könnte man dann ja anschließend auch wieder berichten und die Öffentlichkeit mit einbeziehen und die Ergebnisse bewerten lassen, z.B. wie sich eine solche Kooperation langfristig entwickelt, ob irgendwas, irgendwann in Richtung “green-” oder “social-washing” driftet oder nicht.
Ist es machbar, Kapitalströme von den Orten der schnellsten Verwertung (Karl Marx) dauerhaft dorthin zu lenken, wo an der Lösung sozialer und ökologischer Probleme gearbeitet wird?
Auch habe ich keine Ahnung, ob solche Veranstaltungen, wie der Vision Summit ebenfalls der 90-9-1-Regel unterliegen oder ob dies eher ein Problem von geschlossenen Online-Communities ist (90% zeigen zunächst einmal sich selbst und melden Interesse an, 9% werden gelegentlich aktiv, 1% ist regelmäßig aktiv) wie es gerade sehr intensiv hier und hier im Zusammenhang mit Fragen, wie: “Was hält uns davon ab, aktiv zu werden?” oder “Warum stimmen Reden und Handeln nicht überein?” beschrieben und diskutiert wird.
Ich jedenfalls nehme 100% sehr positive Eindrücke vom Vision Summit mit. Petra und Uli, das sympathische Team von up-filmproduction, die ich ebenfalls dort getroffen habe, zeigen im Folgenden ein paar Ausschnitte der Veranstaltung:
Die angebotenen Vorträge und Workshops waren sehr informativ. Allerdings schaffte man es kaum, überall dabei zu sein und dann noch das Gehörte hinreichend zu verarbeiten und alle Verabredungen einzuhalten, die man eingeplant hatte. In diesem Zusammenhang fand ich es Schade, dass begleitend zur Veranstaltung kein Online-Netzwerk eingerichtet wurde, damit man sich auch in den Tagen und Wochen vor und nach der Veranstaltung austauschen kann. (Vielleicht habe ich das aber jetzt nur übersehen, dann bitte hier posten, damit ich den Link ergänzen kann.)
Wichtig für mich waren auch die vielen interessanten Pausengespräche. Die Leute, die ich traf (u.a. eine 80-jährige Dame, die extra aus Norwegen angereist war, Ingmar von oneAim.org, Raul und das Team der “Sozialhelden“, die an einem Verzeichnis barrierefreier Orte arbeiten, Jens, Petra und Jochen von netzwirken.net, Dania von amazee, Petra und Uli von up-filmproduction, einige Leute, die ich schon aus dem SelfHub kannte, Dagmar Schreiber von democaris e.V. und viele andere) waren alle sehr offen und kommunikativ, so dass man schnell miteinander ins Gespräch kam.
Die TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppe A: “Wie baue ich als Social Entrepreneur mein eigenes Social Business auf? ” mit Prof. Faltin, hatten noch während der Veranstaltung angeregt, in Kontakt zu bleiben und zu diesem Zweck spontan ihre Kontaktdaten auf einer Pinnwand festgehalten.
Wer weiterhin Austausch zu anderen engagierten Leuten online & offline sucht, dem empfehle ich auch die Treffen im Rahmen der Socialbar.de. Das nächste Berliner Treffen findet am 2.12. in der taz-Bar statt.
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Martin W_
- Am 14. November 2008 um 20:16
Mich fröstelt es immer, wenn ich etwas über soziale Veranstaltungen höre oder bei ihnen bin. Man kann wie Jesus Milch und Brot verteilen … wollen. Hergestellt wird die Milch im Kuhstall. Und so haben alle nett geredet, produziert wurde nichts. Ich will meinen Kommentar konkretisieren durch die Frage: Was wurde verabredet, was wir wissen müssen?
InaMS
- Am 14. November 2008 um 20:16
Ich fand allein das schon sehr anregend, Menschen zu treffen, die sich mit dem Thema “Social Business” beschäftigen und hier schon seit Jahren praktische Erfahrungen sammeln konnten. Z.B. die Arbeit von Petra und Uli, was sie mit ihren Filmen bewirken können, hat mich beeindruckt. Inwieweit sich daraus gemeinsame Aktivitäten entwickeln, wird sich zeigen. Es gab einige Projekte, die das Internet noch nicht für sich entdeckt haben, zumindest nicht das dialogorientierte und sich hierbei eine Unterstützung durch einen Blogpaten vorstellen könnten. Vielleicht gibt es hier demnächst mehr Greifbares.