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Echologic - Demokratie neu gedacht

Beim Government 2.0 Camp in Berlin am 28.08.2009 besuchte ich 2 Sessions von Jan Linhart und Ingmar Redel, in denen das Projekt Echologic vorgestellt wurde.

Die Initiatoren möchten mit Echologic “eine neue Form teilnehmender Demokratie auf lokalem, regionalem und globalem Niveau etablieren.” Durch die Kombination der 3 Säulen: Diskutieren – Vernetzen – Handeln! soll ein völlig neuartiger virtueller Raum des demokratischen Zusammenarbeitens geschaffen werden, mit spürbaren Auswirkungen in den Offline-Alltag hinein. Die Vernetzung soll also nicht (wie leider sehr oft) im Internet stecken bleiben und um sich selbst routieren, sondern vielmehr eine sehr effiziente Methode sein, um konkretes Handeln vorzubereiten.

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Jan erläutert das ausführlich an einem Beispiel:

Eva S. findet für ihren kleinen Sohn keinen Kinderkrippenplatz. Sie will sich daher informieren, ob andere Mütter ein ähnliches Problem haben und sucht im Diskussionsbereich von echo nach „Kinderkrippe“. Die semantische Suchfunktion liefert ihr sofort die „heißesten“ Debatten sowie die neuesten Einträge aus ihrem Bekanntenkreis zu diesem Thema. In der Debatte „Kinderkrippenplätze“ sieht sie auf einen Blick, welche Meinungen es zu dem Thema gibt und von wie vielen NutzerInnen jede einzelne Stellungnahme unterstützt wird. In der Stellungnahme „Kinderkrippenplätze für Alle!“ findet sie auch die meist unterstützten Pro- und Kontra-Argumente zu diesem Standpunkt sowie die neuesten Argumente aus ihrem Bekanntenkreis.

Mit ein paar Klicks unterstützt Eva zunächst die Stellungnahme selbst, eines der Top-Pro-Argumente und ein neues Argument von einer Freundin. Beim Lesen des Artikels fällt ihr eine besonders interessante Passage auf. Indem sie die Textstelle anklickt, kann sie die AutorIn der interessanten Textpassage feststellen und mit einem Klick auf deren Profil navigieren. Dort erfährt Eva, dass die AutorIn eine Landtagsabgeordnete ist und auch andere interessante Beiträge geleistet hat. Eva fügt diese interessante AutorIn zu ihren beobachteten FavoritInnen hinzu. So wird sie in Zukunft über alle weiteren Aktionen und Beiträge ihrer neuen Favoritin auf dem Laufenden gehalten.

Die Abgeordnete hat auch eine Selbsthilfe-Aktion für Mütter gestartet, die keinen Krippenplatz finden. Mit einem Klick navigiert Eva in diese Aktion, unterstützt sie und wird sofort dazu aufgefordert, auch ihre FreundInnen zur Teilnahme einzuladen. Hierzu kann sie auch auf andere Netzwerke zugreifen und so „twittert“ Eva die Neuigkeit schnell, um auch ihre übrigen Kontakte auf ihre echo-Aktion aufmerksam zu machen. Da die Aktion bislang nur auf eine andere Region beschränkt ist, trägt sie einen entsprechenden Änderungsvorschlag in die Aktion ein. Wenn ihre FreundInnen die Aktion besuchen, werden sie ihren Vorschlag sehen und wahrscheinlich unterstützen.

Die erfolgreiche Umsetzung der Aktion kostet natürlich Geld. Also überweist Eva das restliche Guthaben ihres virtuellen echo-Kontos an diese Aktion und kauft über echo endlich den neuen Kinderwagen, den sie ohnehin schon lange brauchte. So kann sie der Aktion noch ein paar Euro (10% des Kaufpreises) mehr zukommen lassen.
Schon bald erhält Eva Benachrichtigungen über den Beitritt ihrer FreundInnen. Gemeinsam planen sie eine kleine Fundraising-Kampagne. Mit dem gesammelten Geld richten sie eine kleine Kinderkrippe in ihrem Viertel ein. Die ist billiger und sie können auch noch die Betreuer für ihre Kinder selbst aussuchen.

Zwei Monate später erhält Eva eine weitere Nachricht von echo. Der Artikel „Kinderkrippenplätze für Alle!“ hat das Quorum für einen Volksentscheid erreicht. Eva ist aufgefordert gemeinsam mit den anderen UnterstützerInnen diesen Volksentscheid zu organisieren. Sie folgt dem Link in der Nachricht und unterstützt einen Volksentscheid für das allgemeine Recht auf einen kostenlosen Krippenplatz für arbeitende Mütter. Da die Mehrheit ihrer Mitbürger diese Meinung teilt, werden bald sogar die Kosten für ihre selbst organisierte Kinderkrippe vom Staat übernommen.

“echo” ist ein Instrument einer neuen Form teilnehmender Demokratie, heißt es auf der Plattform und die Initiatoren leben selbst diesen Anspruch, den sie an Ihr Projekt stellen, indem sie den Quellcode als Open-Source bereitstellen und die User von Anfang an in den Dialog und die Mitgestaltung des Projektes mit einbeziehen.

www.echologic.org, twitter.com/echologic

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