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Campact

Veröffentlicht von: Inga Wocker

17. März 2010

www.campact.deWir stellen Öffentlichkeit her“, das ist wohl die zentrale Aufgabe, die sich Campact seit der Gründung 2004 auf die Fahnen geschrieben hat. Auslöser war MoveOn, eine Internet-Bewegung in den USA, die sich 1998 anlässlich der Clinton-Affaire formiert hatte und mit dem Slogan “let´s talk about politics again” den Fokus wieder auf die wirklich wichtigen politischen Ereignisse in der Welt lenkte. Nach diesem Modell wollte man auch in Deutschland ein ähnliches Online-Netzwerk starten, wo Menschen leicht und unkompliziert ihr Mitspracherecht in Politik und Umwelt geltend machen sollten.

Ich spreche mit Christoph Bautz, Pressesprecher und im Leitungsteam von Campact, bereits seit seiner Jugend politisch aktiv, besonders in den Bereichen Umwelt und Anti-Atomkraft und der damit verbundenen Öffentlichkeitsarbeit. “Hier geht es um aktuelle politische Entscheidungen, um die schnelle Mobilisation vieler Menschen, um originelle Aktionen.” Da wird z.B. in verschiedenen Städten Deutschlands nach einem Platz für ein sicheres Endlager gesucht, da gibt es virtuelle oder reale Menschenketten um marode Atommeiler herum, Petitionsaufrufe und Mails an Politiker, oder es wird bundesweit Bantam-Mais gegen Gentechnik gepflanzt.

Durch das Internet ist es natürlich sehr viel einfacher, unterschiedliche Menschen zu einem Thema zusammenzuführen, Web-2.0-Tools wie Twitter, Blogs, Facebook, etc. sind zur schnellen Verbreitung von Infos und Aktionsaufrufe wichtig und effektiv.” Bisher werden Kampagnen überwiegend vom Team in Verden koordiniert und von Aktiven vor Ort ausgeführt, doch ähnlich wie zu den Carrotmobs sollen sich zukünftig verstärkt Menschen zu einem Thema vor Ort selbständig organisieren und von Campact mit Infomaterial und Experten versorgt werden.

Die Themenpalette ist breitgefächert, von Kampagnen gegen Atomkraft und Gentechnik, über Protestmails zu Rundfunkfreiheit, Nebeneinkünften von Politikern und aktuell die Kopfpauschale bei den Krankenkassen bis hin zum Einsatz für mehr Kinderkrippen und gegen die Bahnprivatisierung. “Wir sind keine Experten, daher arbeiten wir grundsätzlich mit Organisationen aus dem entsprechenden Umfeld zusammen, z.B. NaBu, Oxfam, Attac u.ä. So ist gesichert, dass wir über die nötigen Fachinfos verfügen und unser Protest auch tatsächlich Druck auf die jeweiligen Entscheidungsträger ausübt.”

Vorschläge zu neuen Kampagnen kann grundsätzlich jeder machen, bisher wird dieses Angebot aber nur wenig genutzt. Wichtig ist dann natürlich zu wissen, nach welchen Kriterien Aktionen überhaupt ausgewählt und umgesetzt werden. “Wir fragen uns im Vorfeld einer Kampagne, ist das Thema öffentlichkeitswirksam, was ist gerade ganz aktuell und dringend, haben wir die entsprechenden Experten dazu und ist das Meinungsbild eindeutig, also können wir damit rechnen, dass mindestens 90% unserem Aufruf prinzipiell erstmal zustimmen und dementsprechend motiviert sind mitzumachen. Wenn die Meinungen geteilt sind oder je nach Interessengruppe unterschiedlich, ist es Unsinn, dazu eine Aktion zu starten.”

Dass Campact mit seinem Ansatz Erfolg hat ist unbestreitbar: 2009 wird der Anbau von Gen-Mais MON810 gestoppt, Politiker müssen ihre Nebeneinkünfte jetzt offenlegen, und aktuell wird die Kettenreaktion am 24.4. zwischen AKW Krümmel und Brunsbüttel das Thema Störmeiler sicher auch wieder spektakulär in Szene setzen. Dass es sich wie der Slogan “Demokratie in Aktion” vermuten lässt, tatsächlich um Demokratie handelt, ist für mich angesichts z.B. der Themenauswahl nicht ganz so klar. So wie früher Verleger ihre Aufgabe darin sahen, Menschen an gute Bücher heranzuführen und heutzutage überwiegend Mainstream verlegen, um hohe Auflagen zu erzielen, so sehe ich auch hier die Tendenz, dass der Einzelne zu Stimmvieh für tagesaktuelle Kampagnen degradiert wird und damit der nötige demokratische Prozess, der zu einer verantwortungsvollen Urteilsfindung dazugehört, unter den Tisch fällt.

Angesichts allgemeiner Politikverdrossenheit und Passivität ist jedoch ein Angebot wichtig, dass Menschen schnell und unkompliziert zum Mitmachen motiviert. “Derzeit sind rund 220.000 im Verteiler, davon macht ungefähr jeder 2.-3. bei Protestmails und Bewertungen mit, der einfachsten und unkompliziertesten Art der Beteiligung. Wenn es darum geht, einen Vorschlag für einen Slogan abzugeben oder ein Bild hochzuladen sind es dann schon deutlich weniger, nur noch ungefähr jeder 1000.” Bisher hat sich die Zahl der Newsletter-Abonnenten, also die aktive Community jährlich verdoppelt. Hoffen wir, dass es auch in diesem Jahr so weitergeht, denn je mehr sich engagieren, desto mehr lässt sich natürlich bewegen. Lasst uns also zum aktiven Gestalter unserer Umwelt werden, manchmal reicht dazu schon ein Klick.

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Ein Kommentar »»

  1. Stefan
    - Am 17. März 2010 um 20:16

    “Wir fragen uns im Vorfeld einer Kampagne, ist das Thema öffentlichkeitswirksam…”

    Was ist mit den Themen, die wichtig sind aber eben nicht im üblichen Sinne öffenltichkeitswirksam (und mit fröhlichen Menschenketten zu bewerben)? Da wird doch Einiges von vornherein ausgeschlossen. (Themen wie Alter, Armut, Krankheit, Behinderung…)

    Generell finde ich Campact eine gute Sache, gerade auch in der Kombi mit Web2.0-Tools. Erst wenn es um konkretes Tun geht, zeigt sich, ob ein Netzwerk etwas bewirken kann oder nicht.

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