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Barcamp und Blütenträume – mein Besuch beim UrbanCamp in Hamburg

Veröffentlicht von: Ina Müller-Schmoß

07. September 2010

Am vergangenen Wochenende (3.-5. September 2010) fand im Werkheim in Hamburg, das erste UrbanCamp statt.

UrbanCamp in Hamburg, zeigt Eingangsschild am EmpfangDas UrbanCamp ist nach dem Prinzip eines klassischen Barcamps ( sog. Unkonferenz) organisiert. Das heißt, es wird weder unterschieden zwischen Referenten und Zuschauern noch gibt es einen festen Zeitplan oder feststehende Themen. Die Teilnehmer(innen) entscheiden jeweils spontan, worüber sie selbst sprechen und an welchen Sessions sie teilnehmen wollen. Mögliche Sessions können im Vorfeld, meist in einer begleitenden Plattform, schon mal vorgeschlagen und andiskutiert werden. Diese Idee hat ihren Ursprung darin, dass auf klassischen Konferenzen das wirklich Spannende meist in den Pausen passiert! Warum also nicht gleich eine Veranstaltung machen, die nur aus Pausen besteht. ;-)

Mitmachen ist angesagt.

Beim UrbanCamp gab´s aber noch eine Besonderheit. Es blieb nicht nur dabei, dass wir diskutierten und einzelne Initiativen (Freiwilligenbörse Hamburg, bienenstaat.net, Zweikampfverhalten e.V., Hometown Glory, Naturschutzbund NABU, Sneep) sich vorstellten. Am Samstag Vormittag hatten wir die Möglichkeit, die teilnehmenden Initiativen vor Ort zu besuchen und dort direkt in die aktuelle Projektarbeit mit einzusteigen oder, wie bei Zweikampfverhalten an einem Workshop im Werkheim teilzunehmen.

Ich war im Vorfeld schon auf das Projekt „Eingriffe in öffentlichen Raum: Blütenträume“ aufmerksam geworden und schloss mich dieser Gruppe an. Blumenwiesen anlegen, gemeinsam pflegen und mit Menschen ins Gespräch kommen, ist eine tolle Sache! Brachliegende Flächen verwandeln sich dadurch in freundliche Ort, Bienen erhalten Lebensraum zurück und der Mensch sieht, wie er selbst Veränderungen herbeiführt, sobald er aktiv wird. Erstaunlich, dass wir Stadt-Menschen uns so naheliegende Dinge erst wieder bewusst machen müssen. Toll dass bienenstaat.net dabei hilft.

Was finden wir „schön“?

Wir (ungefähr 10 Teilnehmer) trafen uns am Samstag in den Räumen der Freien Kunstschule Hamburg.

In den Räumen der freien Kunstschule Hamburg

Jochen Abeling

In den Räumen der freien Kunstschule Hamburg

Jochen Abeling, der unter anderem auch die Vernetzung der Projekte auf Facebook vorantreibt, erzählte uns etwas zur Kunstschule, zu den gerade ausgestellten Arbeiten von Gerd Paulicke (die Stelzenläufer siehe Bild oben), wie auch zur Idee von „Blütenträume“ und beantwortete unsere Fragen. Wir erfahren, dass “Eingriffe in öffentlichen Raum: Blütenträume” im Seminar Sozialer Organismus entstanden ist.

Auch die praktische Arbeit an der Natur kommt ohne ein Umdenken der gängigen Ansichten nicht aus: Nicht kurzgeschorene Rasenflächen, einseitig gezüchtete “Zier”pflanzen und ausländische Stauden stehen für eine intakte natürliche Umwelt, sondern standortgerechte einheimische Blütenpflanzen und Kräuter. Für viele Menschen wird es somit nötig werden, bei der Naturbetrachtung einen neuen Ästhetik-Begriff zu entwickeln und die Vorstellung von “schön” zu überdenken.

Treffpunkt: vor der Freien Kunstschule Hamburg.

Maike

Blütenträume, Hamburg

Wir kamen auch mit Spaziergängern ins Gespräch.

Mit Spaten, kleinen Pflanzschaufeln und zwei kleinen Kisten mit Sonnenblumensetzlingen im Gepäck, starten wir unseren Pflanz-Spaziergang, frei nach dem Motto des UrbanCamps „Wir verändern Hamburg“. Wir besuchen drei, der bereits angelegten Blütenwiesen, um diese von Unkraut zu befreien und unsere Sonnenblumen einzupflanzen. Toll ist, dass wir dabei immer wieder mit neugierigen Spaziergängern oder Anwohner(innen) ins Gespräch kommen und unsere Flyer verteilen können.

Philipp Baumgärtel, der Name ist hier Programm, Landschaftsgärtner, erklärt, dass man eigentlich pro Setzling 10 Liter Wasser benötigt. Er bloggt auch und beschreibt seine Eindrücke vom UrbanCamp in einem eigenen Blogbeitrag. Diesmal haben wir Glück und bekommen von einer Anwohnerin einen großen Eimer Wasser gereicht.

Jedes Pflänzchen benötigt eigentlich 10 Liter Wasser beim Anpflanzen.

Am Fuß der Altonaer Terrassen findet man die schönste, der vom Blütenträume-Team bereits angelegten Wiesen. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich solche Wiesen, im Urlaub in Mecklenburg oder gerade erst auf Rügen, immer so geliebt und bewundert habe. Irgendwie dachte ich wohl, dass sowas Schönes in der Stadt gar nicht gedeihen kann!!! Es ist eine bunte Mischung aus Mohn, Ringelblume, Margerite, Borretsch, Kornblume, Kamille, Lein…, habe ich was vergessen, die da wächst und gedeiht. Wildblumen lieben geradezu karge, magere Böden, erfahre ich. Gemäht werden muss nur 2 mal pro Jahr mit einer Sense.

Blütenträume

Blütenträume

Blumen säen. Honig ernten.

Blütenträume
Fotos: Ina Müller-Schmoß

Wer jetzt selbst aktiv werden will, findet auf der Webseite des Projektes eine ausführliche Anleitung zum Anlegen einer kleinen Blumenwiese. Bei Google gibt es eine Standortkarte und jeder der mag, kann „seine“ Wiese dort hinzufügen.

Demokratie braucht aktive Bürger

heißt es im Blütenträume-Flyer. Das UrbanCamp hat gezeigt, wie man Aktive aus verschiedensten Bereichen zusammenbringen kann. Die teilnehmenden Initiativen können vom guten Vernetzungsgrad manch eines Barcampers profitieren und so ihre Chancen erhöhen, auch außerhalb der eigenen Netzwerke, neue Aktive und Kooperationspartner zu finden. Wer noch auf der Suche nach dem passenden Engagement ist, findet im Rahmen eines UrbanCamps eine gute Gelegenheit sich die Arbeit von Initiativen vor Ort anzuschauen. Ich könnte mir vorstellen, dass BarCamps, die auch zu praktischen Aktionen einladen, sehr gut geeignet sind, auch weniger webaffine Personenkreise zur Teilnahme an einem BarCamp zu ermutigen und Hemmschwellen abzubauen.

Ich bin gespannt auf weitere Veranstaltungen dieser Art. Ist evtl. schon eine UrbanCamp in Berlin angedacht? Ich wäre mit dabei.
Weitere Bilder im Flickr-Pool und auf der Community-Website.

Weitere Berichte aus den Initiativen:
Da man es aus Zeitgründen ja nie schafft, an allen Angeboten teilzunehmen, ist es super, dass jede Gruppe einen kleinen Bericht online gestellt hat. So erfährt man, was in den anderen Gruppen los war.
Besuch im Pavillion-Dorf Mattkamp – ein Bericht von Frauke, die bei der Freiwilligenbörse Hamburg mit dabei war.
Blütenträume beim UrbanCamp – Der Bericht von Maike Gosch.
Zweikampfverhalten – noch ein Beitrag von Frauke.
Zweikampfverhalten – von Jan Knachstedt
Gewässernachbarschaftstag Raakmoorgraben beim UrbanCamp – ein Bericht von Werner Stickler.

[UPDATE] Link zu einer Berliner Initiative: Wildblumenwiesen in Berlin

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18 Kommentare »»

  1. Maike
    - Am 7. September 2010 um 20:16

    Liebe Ina, toller Artikel!! (viel besser als meiner ;) )

  2. InaMS
    - Am 7. September 2010 um 20:16

    @Maike, ich war sehr sehr froh, dass Du am Samstag so viel notieren und fragen konntest. Ich hatte gut zu tun, mich auf die Fotos zu konzentrieren. Hamburg war toll und ist ja garnicht soooo weit weg von Berlin. :-)

  3. Robert Lender
    - Am 7. September 2010 um 20:16

    Die Idee des Urbancamp gefällt mir. Kann man damit aber wirklich neue Zielgruppen (außerhalb der Initiativen) ansprechen? Auch bei klassischen Barcamps (aus dem Social Media/Web Bereich) finden sich meistens auch nur die “einschlägigen” TeilnehmerInnen.

    Aber vielleicht könnte man ein Urban/Mediacamp daraus machen – also online und offline Initiativen vernetzen. Da gäbe es sicherlich viel voneinander zu lernen.

    Auf alle Fälle bin ich neugierig auf weiter Urbancamps – und hoffentlich Bericht darüber hier im Blog :)

  4. InaMS
    - Am 7. September 2010 um 20:16

    @Robert, über die Online-Netzwerke wird Nachbarschaft neu definiert. Ähnliche Initiativen können so schneller voneinander erfahren, zumindest steigen die Chancen, dass man sich übers Netz besser findet. Außerdem bringt man das spannende BarCamp-Prinzip Menschen näher, die nichts mit den Begriffen Session oder Unkonferenz anfangen können und daher auch nie auf die Idee kämen hier mitzumachen. Alles wird endlich weniger nerdig.

  5. Juri
    - Am 7. September 2010 um 20:16

    So eine gute Sache!

  6. InaMS
    - Am 8. September 2010 um 20:16

    Manueller Trackback:
    Auch die Reporter positiver Nachrichten fanden unsere Aktion gut. :-)
    http://gutenachrichtenreporter.wordpress.com/2010/09/08/eine-blumenwiese-fur-alle/

  7. Kai
    - Am 9. September 2010 um 20:16

    Hallo, gute Sache. Es gibt bestimmt noch weitere ähnliche Aktionen, außerhalb von Hamburg. Kennt Ihr welche? Seid Ihr mit denen vernetzt? Gibt es auch Aktive in München?

  8. InaMS
    - Am 9. September 2010 um 20:16

    @Kai ich ergänze die mal oben unter dem Beitrag. In Berlin gibt es eine ähnliche Gruppe.

  9. Pingback Sammelmappe » Blog Archive » Blütenträume
    - Am 9. September 2010 um 20:16

    [...] Blütenträume beim Urbancamp gibt es bei Ina September 9th, 2010 in Fundstücke, Leben | tags: Natur, Öffentlicher Raum, Projekte [...]

  10. Kai
    - Am 9. September 2010 um 20:16

    Manueller Trackback:
    http://www.thesunshine.de/index.php?option=com_content&view=article&id=961:barcamp-und-bluetentraeume-mein-besuch-beim-urbancamp-in-hamburg&catid=150:veranstaltungen&Itemid=510
    Sunshine – das positive Nachrichtenmagazin greift den Beitrag ebenfalls auf.

  11. Jochen
    - Am 9. September 2010 um 20:16

    Wir können nicht alles tun. Obwohl wir das immer wieder versuchen.

    Blütenträume haben wir als lokales Hamburger Projekt konzipiert. Regional unbeschränkt ist unser anderes Projekt, ›Eingriffe in öffentlichen Raum: Scheck-Aktion‹ http://www.scheck-aktion.de .

    Uns sind Wildblumenwiesen an sich sehr wichtig und wir mögen sie. Trotzdem sind die Blütenträume kein natur-ökologisches Projekt. Für uns ist noch wichtiger, Menschen die eigene Kraft vor Augen zu führen, in den öffentlichen Raum eingreifen zu können. Dass dies sichtbaren Erfolg hat. Und dass sie daraus den Mut und – natürlich auch durch den erzeugten Honig – die Kraft für Eingriffe in andere Bereiche des öffentlichen Raumes gewinnen. Also nicht nur in den natürlichen, sondern auch in den sozialen Raum einzugreifen, sich als Bürger auch dort einzumischen. In Hamburg sehen wir den Lebensraum für Bienen weit weniger gefährdet als den Lebensraum für Menschen – eines der Probleme nennen wir hier ja Gentrifidingsbums.

    Damit ist für uns das UrbanCamp ein wichtiges Treffen, um uns in dieser Richtung zu vernetzen.

    Auf dem Land mit der monokulturellen und latent gentechnik-verseuchten Landwirtschaft ist die Biene viel stärker in Gefahr. Deshalb sind aus natür-ökologischer Sicht Wildbumenwiesen dort viel wichtiger als in der Stadt. Darum kümmert sich das ›Netzwerk Blühende Landschaft‹ http://www.bluehende-landschaft.de , mit dem wir natürlich auch im Austausch stehen.

    Aktiv haben wir uns um Initiativen in anderen Städten noch nicht gekümmert, aber wir sind dafür offen. Wenn sich irgendwo eine Initiative begründet, der diese weiter gefassten Aspekte unseres Projektes ebenso am Herzen liegen, leisten wir auch gern eine kleine Starthilfe und können intensiv über unsere Erfahrungen berichten. Creative Commons Franchising. Und beraten, wie und wo man gemeinsam mehr erreichen kann.

    Also wann gibt es ein UrbanCamp Berlin. Oder Dortmund. Oder Leipzig. Oder München???

  12. Pingback Neues aus unserem Netzwerk - September 2010 :: Blogpatenschaften - Wir fördern Vernetzung
    - Am 10. September 2010 um 20:16

    [...] Betreuung beim Bloggen, Vernetzung. Teilnahme am UrbanCamp in Hamburg und Bericht über Eingriffe in öffentlichen Raum: Blütenträume. Andreas Sander: Saarland 2.0 – ein [...]

  13. Pingback Colina-Fotoblog * » Veranstaltungshinweis: PhotoCamp Cologne 2010
    - Am 15. September 2010 um 20:16

    [...] habe ich erst vom UrbanCamp in Hamburg erfahren, nun gibt es auch ein BarCamp für Fotofreunde. Hier möchte ich also gleich mal [...]

  14. Anne Wangrin
    - Am 23. September 2010 um 20:16

    Hallo, es freut mich euer positive Feedback zu lesen!

    UrbanCamps soll es natürlich gerne in anderen Städten geben. Wen ihr eins in eurer Stadt organisieren möchtet, könnt ihr euch gerne bei Fragen an uns wenden.

    Und sagt uns Bescheid, wann euer UrbanCamp losgeht, wir kommen gerne dazu, und erleben wie sich eure Stadt verändert.

  15. Pingback Das war das UrbanCamp Hamburg 2010 | Listonneur
    - Am 25. September 2010 um 20:16

    [...] Ina Müller-Schmoß: Barcamp und Blütenträume – mein Besuch beim UrbanCamp in Ha… [...]

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    - Am 30. Dezember 2010 um 20:16

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  17. Pingback Auch 2011 gibt es wieder ein UrbanCamp in Hamburg! » Blogpatenschaften
    - Am 28. Mai 2011 um 20:16

    [...] Hier mein Bericht vom letzten Jahr: Barcamp und Blütenträume – mein Besuch beim UrbanCamp in Hamburg [...]

  18. Pingback Das war das UrbanCamp Hamburg 2010 (Soziales Engagement) @Bastianoso
    - Am 18. Januar 2012 um 20:16

    [...] Ina Müller-Schmoß: Barcamp und Blütenträume – mein Besuch beim UrbanCamp in Hamburg [...]

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